der deutsche Wortschatz

Hallo lieber Leser, ist es nur eine Laune der Sprache, wenn wir von Wort-Schatz sprechen? Wohl kaum, wenn wir uns bewusst machen, was so alles an Wörtern in unserem Kopf steckt. Besitzt du ein großes Wörterbuch? Z.B. den bekannten Duden, genauer: das Deutsche Universalwörterbuch von Duden mit 150.000 Wörtern und Redewendungen. Na, die braucht man doch nicht alle im Kopf zu haben, wirst du sagen. Mach doch einen Test – ggf. mit einem anderen Wörterbuch! Beim Duden sind es jedenfalls 2.000 eng bedruckte Seiten zu je 3 Spalten. Zähle einmal die Stichwörter einer Seite, die dir bekannt erscheinen. Du wirst so auf 20 bis 30 Wörter kommen. Bei 2.000 Seiten wären das 40 – 60.000 Wörter. Bei vielen dieser Wörter stehen lange Erläuterungen. Nimm dir die Zeit, einzelne davon zu lesen. Sie beschreiben unseren Sprachgebrauch. Auch der steckt zum großen Teil in unserem Kopf. Wie schaffen wir das?

Da ist zum einen das Wunderwerk des Gehirns. Man rechnet mit 19 – 23 Milliarden Nervenzellen allein in der Großhirnrinde. Unfassbar! Welcher Teil davon mit Sprache belegt ist, wissen wir nicht. Aber dass unsere Sprache ein hoch komplexes Gebilde ist, wird klar, wenn wir uns genauer mit ihr befassen.

Wir haben uns dazu einen Weg ausgedacht, die Wörter nicht einzeln alphabetisch aufzulisten – wie in den gängigen Wörterbüchern, sondern geordnet nach Wortfamilien. Da stellen wir Erstaunliches fest. Die kurzen Wortstämme vervielfachen sich durch Vor- und Nachsilben und durch Zusammensetzungen, und zwar in einem unglaublichen Umfang. Es wird wohl so sein, dass diese Wortverwandschaften es erst möglich machen, dass wir so viel in unserem Kopf unterbringen.

Und es ist nicht damit getan, sich die einzelnen Wörter einzuprägen. Wie uns der Duden zeigt, gibt es zu den meisten Wörtern noch ein beachtliches Wissen über ihre Verwendungen. Man spricht von Kontexten, also der Verwendbarkeit in Satzzusammenhängen und Zusammensetzungen. Nehmen wir als Beispiel das Wort > brechen <. Vieles kann brechen oder gebrochen werden. Ein Ast, ein Knochen, das ist klar. Auch das Eis auf einem Weiher. Etwa anderes ist es, wenn das Eis in einem Gespräch zwischen zunächst misstrauischen Gesprächspartnern gebrochen wird. Ein Herz kann durch Liebeskummer gebrochen werden. Oder man spricht mit gebrochener Stimme. Ein Saal kann zum Brechen voll sein.  Aus 10 Jahren Straflager kann man als gebrochener Mann hervorgehen. Man kann den Widerstand von Feinden brechen, den Trotz eines Kindes oder das Schweigen. Die Sonne bricht durch die Wolken, die Wellen brechen sich an den Klippen. Man kann die Ehe brechen oder mit einer Gewohnheit.

Genug. Man sieht: das Wort allein lässt viele Verwendungen zu, die erst durch den Kontext klar werden. Werfen wir noch einen Blick auf Zusammensetzungen, wie Brechreiz, Brechmittel, Brechstange. Auch durch diesen Kontext wird die Bedeutung konkretisiert. Oder die Ableitungen, wie Brecher, Brechung des Lichts, Einbrecher, Verbrechen.

Diesen Wort – Schatz gilt es zu verstehen. Lass dich darauf ein und teste dich! Was ist dir geläufig? Was gehört zu deinem aktiven oder passiven Wortschatz?

Unser Spezialwörterbuch ist eben  kein Nachschlagewerk, sondern ein Lesebuch und ein Buch zum Mitdenken. Es gibt viel zu entdecken.  Allzu viel auf einmal wäre aber ermüdend. Deswegen wollen wir hier in jeder Woche nur eine Wortfamilie oder ein Sprachthema vorstellen.

Viel Vergnügen beim Erforschen deines Gehirns!