herrschen, Herr

Wortfamilie  herrschen, Herr

Verben
herrschen  anherrschen beherrschen  verherrlichen  vorherrschen

Kontexte
* herrschen *
über ein Land herrschen, die herrschende Partei, der herrschende Familienclan;
hier herrschen raue Sitten; in diesem Staat herrscht Ordnung; es herrschte betretenes Schweigen; überall herrschte große Freude / Aufregung / Verzweiflung; es herrscht ein Mangel an sauberem Trinkwasser / eine sibirische Kälte; es herrscht ein Bürgerkrieg der verschiedenen Volksgruppen
* anherrschen *
jemand anherrschen, er möge sich gefälligst aus dem Streit heraushalten
* beherrschen *
ein Land beherrschen, die Turbinen dieses Herstellers beherrschen den Weltmarkt;
der Wunsch nach Aufstieg beherrscht sein Denken; mit ruhiger, beherrschter Stimme sprechen; seinen Unmut beherrschen; er musste sich beherrschen, nicht mit seiner Kritik herauszuplatzen; er kann sich einfach nicht beherrschen
* verherrlichen, vorherrschen *
die Märtyrer des Freiheitskampfes werden noch heute verherrlicht;
als Feldfrucht herrscht hier der Mais vor; in den nächsten Tagen wird Frost vorherrschen; es herrscht die Meinung vor, dass es Zeit für einen politischen Wechsel ist

Substantive
1. Ein fremder Herr hat mich angesprochen. Herrenwitz, Herrenreiter, Kammerherr, Herrenkleidung, Herrenmannschaft, Herrendoppel, Herrentoilette, Herrenbesuch, Herrenbekanntschaft, Altherrenmannschaft, Tischherr ( entsprechend Tischdame )
Hier tritt die Bedeutung Mann mit einem Element Vornehmheit oder einem Bezug zu Kleidung oder Sport zutage.
2. Herrensitz ( ähnlich Herrenhaus ), Dienstherr, Jagdherr (als Besitzer eines Jagdreviers ), Bauherr, Kriegsherr, Feldherr, Herrenmensch,
Herrenrasse, Gutsherr, Freiherr, Ratsherr, Standesherr, Gerichtsherr ( historisch: Inhaber der Gerichtsbarkeit ), Grundherr, Hausherr, Burgherr, Schlossherr, Landesherr
Diese Begriffe drücken eine Vorrangstellung aus.
3. Man kann damit auch milden Spott ausdrücken: die Herren der Schöpfung, mein Herr Sohn, der Herr des Hauses ( Hausherr hat dagegen diesen Beigeschmack nicht ).
4. In verschiedenen Redewendungen kommt die Fähigkeit, sich zu behaupten, zum Ausdruck: sein eigener Herr sein, nicht mehr Herr seiner Sinne sein, Herr der Lage sein. Der Regent konnte der Aufständischen nicht mehr Herr werden. Herr des Geschehens bleiben.
5. Herr als Kurzform von Herrgott. Scherzhaft: Er ist ein großer Jäger vor dem Herrn. Und dazu die schönen Wortbilder: in aller Herrgottsfrühe, Herrgottsschnitzer und Herrgottswinkel in Bauernstuben.
6. In der Anrede benutzt man das Wortpaar Herren und Damen in der Mehrzahl, also: sehr geehrte Herren und Damen.
7. Die Herrin aus älterem Sprachgebrauch kann heute noch als Hausherrin
oder humorvoll verwendet werden. Etwa: Sie ist die wahre Herrin in der Firma / im Haus. Das Herrchen eines Hundes hat seine Entsprechung in Frauchen und entstammt der Familien- und Kindersprache.
8. Betrachten wir nun weitere Ableitungen:
Herrschaft, Oberherrschaft, Schutzherrschaft, Vorherrschaft, Beherrschung, Selbstbeherrschung, Herrschsucht, Herrlichkeit, Unbeherrschtheit
sowie die Personalisierung Herrscher.
Als Anrede scherzhaft oder kritisch: meine Herrschaften.
9. Zu Herrschaft haben sich zahlreiche Zusammensetzungen gebildet:
Herrschaftsanspruch, Herrschaftsapparat, Herrschaftsverhältnisse u.a.
10. Auch Herrscher findet sich in Zusammensetzungen: Alleinherrscher,
Gewaltherrscher, Herrschernatur, Herrschergeschlecht, Herrscherhaus.
Der Sprachverliebte wird sicher noch weitere Begriffe finden, auch solche die nicht im Wörterbuch stehen, weil das Deutsche auch für Wortschöpfungen offen ist. Etwa: Herrscherstolz, Herrscherallüren oder Herrscherqualitäten.

Adjektive
herrenlos, herrlich, herrisch, herrschaftlich, hochherrschaftlich, un/beherrscht, herrschsüchtig

Kontexte
ein herrenloser Hund, eine herrliche Aussicht, ein herrischer Tonfall, ein herrschaftliches Landhaus, ein hochherrschaftlicher Einrichtungsstil, mit beherrschter Stimme, ein unbeherrschter Gesprächsteilnehmer, eine herrschsüchtige Ehefrau